#418 – Deppenzepter

Diesmal waren wir beim #Podstock2015 in Almke. Coole Veranstaltung und die Gelegenheit, Podcaster mal persönlich kennen zu lernen. Gibt es nächstes Jahr wieder und wir freuen uns, wenn wir dann möglichst viele Hörer persönlich begrüßen können 🙂

Auf einer kleinen Bühne nahmen wir dann diese Folge vor Live-Publikum auf. Vor der Aufnahme gab es einen kleinen Vortrag von Chris zum Thema Fotos und deren Bedeutung für Blogger und Podcaster.

In dieser Folge geht es um zwei Schwerpunktthemen:

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18 Antworten auf „#418 – Deppenzepter“

  1. Gutes Thema mit der Bildauslagerung. Ich habe als Street Fotograf ja auch oftmals tausende von Bildern und muss davon 95% löschen. Die PIE’s bieten auch einen Service für die Auswahl mit Bearbeitung an. Aber die sind auf Hochzeiten spezialisiert und ich weiss nicht so recht, was die mir für Bilder raussuchen würden, wenn ich ihnen die Vorgabe machen würde, nehmt 5 von 100 Bildern. Ich weiss nicht, ob ich damit glücklich würde. Aber der Ansatz ist sicher spannend, denn ich habe oftmals keine Lust, alle Bilder durchzuschauen, geschweige denn keine Zeit dazu.

  2. @Auslagern
    Extrem guter Beitrag!
    Ich sehe kein Problem? Welcher ‚große‘ Fotograf (Gursky & co.) bearbeitet selber? Wozu haben große Maler und Künstler Assistenten?

    @Thomas Leuthard
    Ich hoffe der Kommentar kam nicht von einen Bot oder Script 😉

  3. Zum Thema Auslagerung: (vorausgeschickt, ich bin kein Profi, habe aber in meinem Umfeld (IT Projekte) auch viel mit diesem Thema zu tun)

    Klar haben die „Großmeister“ selber nicht im Labor gestanden und es ist durchaus legitim das an einen kompetenten Partner zu geben. Nur würde ich das nie an eine Firma vergeben, wo trotz aller Beteuerungen nie sicher sein kann, wie die Interpretation im Endeffekt sein wird. Ein HCB, Gursky oder ähnliche haben immer mit den Leuten direkt am Tisch gesessen und sich ausgetauscht und mit ihnen direkt am Objekt diskutiert. Bis beide sich mehr oder weniger so verstanden haben, dass sie die gleiche Bildsprache sprechen. Da war dann die Grundaussage gleich beim ersten mal da und bei Nachschärfungen musste wohl auch nicht groß rumgedeutet werden, sondern man versteht sich.
    Und das kann eine Firma niemals garantieren. Vor allem in diesen indischen und südostasiatischen Fabriken ist die Fluktuation bei den Mitarbeitern so groß, dass man oft in der nächsten Woche den Mitarbeiter nicht mehr hat.
    Dazu kommt noch das Verständigungsproblem in Verbindung mit der indischen Mentatlität, dass sie nie nein sagen können oder zugeben, dass sie etwas nicht verstanden haben, da dies unhöflich wäre. (Selbst erlebt und auch von indischen Vermittlern so dargelegt bekommen).

    Zu guter Letzt finde ich dass es schön und gut ist, dass auch andere ein gutes Einkommen haben sollen, aber wir haben leider in Europa schon zu viel know-how ins Ausland verlagert, das uns jetzt wirklich abgeht. Gewisse Produktionszweige z.B. können wir hier in Europa gar nicht mehr machen, obwohl wir hier einst Marktführer waren, weil wir schlichtweg das nötige Wissen nicht mehr haben. Und jeden Euro, den wir ins Ausland transferieren kommt unserer eigenen Wirtschaft abhanden. Ich weiß, das klingt jetzt sehr polemisch. Ich bin aber wahrlich keiner der sich abschotten will, aber man muss diese Aspekte durchaus auch im Auge behalten.

  4. „Früher“ Lightroom.
    „Heute“ Outsourcing der C-41 und E-6 Entwicklung an Rossmann für 3 Euro à 15 Bilder

    „Morgen“ Schwarz Weiss und ab in die Küche!

  5. Hi Ihr Beiden,
    nur kurz, zum Thema Auslagern. Ich kenne dies seit fast 20 Jahre. Freistellen bzw. zeitintensive Tätigkeiten werden in Asien durchgeführt.
    Aber… was ich zu bedenken gebe, man muss sich auch immer eine ethische Frage stellen. Ist billig, bzw. immer die Globalisierung der gute Weg?
    Ich habe mittlerweite täglich damit zu kämpfen, als Ingenieurburo für die Autoindustrie, ob ich mir deutsche Ingeneure leisten kann oder ob man ins Ausland auslagert. Dabei ist Indien nicht mal günstig, Tchechien oder Polen ist hie mittlerweile am billigsten.

    Wie gesagt, wenn man die Möglichkeit hat ist ein regionaler Bezug aus moralischer Sicht schöner und wenn es ein bisschen mehr kostet ist es auch nicht so schlimm

    LG Dieter

  6. Ich lebe und arbeite nun ja an der Quelle, der Source quasi, wohin gelegentlich outgedingst wird. Und ausserdem bin ich Berufsfotograf.

    Enspr. hab ich eine sehr dezidierte Meinung dazu. Die hab ich in dieser Podcastfolge einigermaszen ausfuehrlich widergegeben: http://sventetzlaff.com/index.php/home/podcast/143-020-foto-outsourcing-intermedial-chinaboerse

    Wer keine Lust hat, sich das anzuhoeren hier in aller Kuerze:
    Boris: Sollte man Outsourcen ?
    Ich: Ja ! Wenn man dadurch Zeit gewinnt, die man sonst nicht hat. Insbesondere Genres wie Produkt, Hochzeit, Party, Stock u.ae., eigenen sich ausgezeichnet – Fotojournalistisches dagegen weniger.
    Boris: In „Billiglohnlaender“ ?
    Ich: Ja ! Wohin auch sonst ? Wobei es gar nicht um „billig“ geht, sondern um Strukturen, die es dort gibt, aber in DE eben nicht. In China kann man einen Batch z.B. auf 40 Mitarbeiter parallelisieren. So kann man viele Tausend Produktbilder in wenigen Tagen abhaken. Und Zeit ist bekanntlich Geld …

  7. Zum Thema Auslagern: Es kommt doch immer auf die Auftragslage des Fotografen an. Wenn er/sie genügend Aufträge hat, dann kann ist es doch toll, wenn man „unbeliebte“ Arbeiten auslagern kann. Jemand mit einer sehr schwachen Auftragslage ist dagegen vielleicht froh, wenn er EBV machen kann, statt Taxi zu fahren. Das andere Extrem ist Gursky, der maximal delegiert. Ein weiterer Punkt für Freiberufler ist die Unabhängigkeit des eigenen Unternehmens, das früher vielleicht einen Mitarbeiter im Labor oder einen EBV-Spezialisten angestellt hätte. Heute ist man froh, wenn man möglichst viel Freiheit in der Wahl seiner Werkzeuge, Subunternehmer usw. hat. Ob man die Arbeiten in ferne Länder auslagert oder im Land Aufträge vergibt hängt auch davon ab, ob man seine Rolle als Steuerzahler und (Mit-)Bürger Ernst nimmt oder lieber in die eigene Tasche wirtschaftet. Kurz: Man muss sich den moralisch „richtigen“ Standpunkt eben erstmal leisten können…

  8. Hallo zusammen,

    als reiner Hobbyfotograf ist das Outsourcen der Postproduktion für mich kein Thema, da mir das Bearbeiten ähnlich viel Freude macht wie das Fotografieren selbst. Auf der anderen Seite fände ich es fast merkwürdig, wenn quasi industrielle Bilderproduktionen von vorne bis hinten nur von einer Person gemacht werden. Von daher ist arbeitsteilige Erstellung von Fotos für mich nichts Anrüchiges. Vielleicht treibt andere ja die Befürchtung um, dass der Fotograf ja gar nicht mehr der eigentliche Künstler ist und man aus Versehen den falschen Künstler feiert …

  9. Ich finde Selfiesticks auch irgendwie komisch manchmal etwas dämlich. Der Begriff Deppenzepter ist meiner Meinung nach allerdings zu beleidigend und zu erzwungen. Im Beitrag wurde der Begriff mit mit „Arschgeweih“ verglichen. Dieser Begriff ist meiner Meinung nach wesentlich origineller. Der Begriff Deppenzepter ist eher in der Liga von „Idiotenbekritzelung“.

  10. Früher haben viele Fotografen mit hochqualifizierten Laboranten zusammen die Abzüge erstellt. Das war ein Arbeiten auf Augenhöhe.
    Warum kommt kein Fotograf auf die Idee seine Bilder bei einem deutschen Mediengestalter bearbeiten zu lassen? Es lohnt sich finanziell nicht.
    Beim Outsourcing von Bildbearbeitung geht es um anderes als um „kein Spaß an Photoshop“.
    Für ein Berufsfotograf bedeutet Zeit ist Geld. Wenn man weniger Zeit am PC sitzt kann man mehr Hochzeiten fotografieren und mehr Geld verdienen.
    Für diese Arbeit brauche ich keinen Laboranten auf Augenhöhe, sondern ich brauche einen schnell arbeitenden und billigen Lightroom-Mouse-Clicker. Alles das funktioniert nur, weil die Inder so schön billig sind und sich gerne durch die tausenden von Fotos (nicht Kunst, sondern Masse) durchklicken. Interessieren uns die Arbeitsbedingungen, die Bezahlung, die sozialen Randbedingungen für die Mitarbeiter?
    Die wirklich guten Fotos wollen wir ja noch selbst photoshoppen. Bei diesen Bildern geht es dann ja auch nicht um Kommerz, sondern um Reputation.
    Und wenn Google in einigen Jahren so gut ist mit der Bildbearbeitung, dass die Masse der Fotos dort auf Knopfdruck entwickelt und in ein Fotobuch publiziert wird, dann braucht man die Inder nicht mehr und der Hochzeitsfotograf kann noch mehr Hochzeiten fotografieren und noch mehr Geld verdienen.
    Bildbearbeitung nach Indien verlagern bedeutet nach meiner Interpretation das optimieren von betrieblichen Prozessen zur Maximierung des Gewinns unter Ausnutzung der Armmut in der dritten Welt.

  11. Zum Thema Auslagerung:

    Das haben wir letztlich früher schon gemacht, allerdings blieb der Job in Deutschland. Wer mit Entwicklung und Abzügen aus dem Großlabor nicht zufrieden war, nahm einen Bearbeitungsservice in Anspruch. Dabei wurde bei den Vergrößerungen Ausschnitt und Filterung durch eine Laboranten kontrolliert. Der Preis lag etwa beim Doppelten eine guten Großlabors, aber das hat sich in der Regel gelohnt und war bei 4 bis 5 Filmen nach einer repräsentativen Familienfeier auch kein so große Problem.
    Einen ähnlichen Service kann ich mir auch bei der digitalen Verarbeitung gut vorstellen. Allerdings würde ich dem Dienstleister nicht das Sortieren und Bewerten überlassen wollen.

    Gruß

    Udo

  12. Beim Kunden damit argumentieren, dass nach dem Shooting so viel Zeit für das Bearbeiten notwendig ist und die Preise für ein Shooting deshalb so hoch sind, aber andererseits diese Nacharbeiten dann von Billigstarbeitskräften erledigen lassen? Klingt mir sehr nach „Gewinnoptimierung“ oder werden die Kostenvorteile auch an den Kunden weitergegeben? Außerdem finde ich, dass dieser Globalisierungstrend, alles das nicht lokal gemacht werden muss ins billigste Ausland zu verlagern in die falsche Richtung geht. Bin in der IT tätig und hier werden im Land massenhaft Leute abgebaut und damit arbeitslos, um in Indien etc Jobs zu schaffen. Wer soll sich die Produkte und Dienstleistungen in Zukunft noch leisten können, wenn er keinen Job mehr hat?

  13. Das Auslagern von Bildbearbeitungen ist so alt wie die Fotografie, ist also wirklich nix neues. Allerdings wurden die Arbeiten im gleichen sozialen Umfeld gemacht, die Bearbeiter lebten also in der „gleichen Welt“ und mit einem vergleichbaren Lebensstandard. Es ist auch nicht neu das Bildbearbeitungen nach Indien ausgelagert wurden, das haben grosse deutsche Versandhäuser schon vor 10 Jahren begonnen. Das hatte aber auch zur Folge das die entsprechenden Arbeitsplätze in Deutschland weggefallen sind. Und dabei sprechen wir von hochqualifizierten Fachleuten die mehrjährige Ausbildungen durchlaufen haben. Die Folge davon ist das z.b. in Hamburg nur noch wenige Reprobetriebe überlebt haben und nur noch eine handvoll „Photoshop“ Profis einen Vollzeitjob haben (im vergleich zu den 80er und 90er Jahren).
    Da wurde Qualität durch schlichte Masse an billigen Arbeitskräfte ersetzt. Kann man machen, hat aber langfristige Auswirkungen. Wenn wir alles nach Indien/Asien auslagern sägen wir uns mittelfristig den Ast ab auf dem wir sitzen den auch bei uns ist Arbeit zur Sicherung des Einkommens notwendig und nicht jeder kann als Künstler oder Ingenieur arbeiten.
    Dabei glaube ich durchaus das die Preise genügen um in Indien ein gutes leben zu führen, ist also in dem Sinne keine Ausbeutung, nur sind die Lebenshaltungskosten dort eben auch mit unseren nicht zu vergleichen. Und von Angestellten dort kann sich sicher auch keiner leisten mal eben nach Europa zu fliegen um eine Fotoreise zu machen.
    Mich würde aber auch interessieren ob der Fotograf die Einsparungen an seine Kunden weitergegeben und seine Preise entsprechend gesenkt hat, was ich allerdings nicht glaube. Und das wäre für mich dann doch eine unsoziale und egoistische Bereicherung.

  14. Das Thema ist wirklich kontrovers. Auf meinen Schultern streiten gerade Teufelchen und Engelchen darüber ob ihre Hochzeitsfotos zur Bearbeitung outgesourced werden sollen. Da es am Ende aber doch wieder nix wird mit deren Hochzeit, weil sie ja eh immer nur am streiten sind…

    Generell würde ich mir auch überlegen Bildbearbeitung out zu sourcen, wenn ich jeden Monat tausende Bilder sichten und bearbeiten müsste. Allerdings würde ich mich schwer daran tun, andere an meinen Fotos werkeln zu lassen, wenn ich nicht so richtig Kontrolle darüber hätte was genau mit den Fotos passiert. Ich schätze mal dass man auch erst mal die Firma seines Vertrauens finden muss.

    Die Firma, bei der ich auch noch arbeite sourced regelmässig Arbeiten nach Indien aus. Meine Erfahrung ist, dass es bei komplexeren Aufgaben beinahe so viel Zeit braucht um den Menschen da zu erklären wie genau die Arbeit erledigt werden soll, als wenn man es selber machen würde. Für alltägliche 08/15 Aufgaben mag das outsourcen der Bildbearbeitung definitive funktionieren. Dennoch würde ich mir vorbehalten die Top Bilder eines Shootings selber zu bearbeiten.

    Finanziell ist meine Meinung dass hierzulande (besonders hier in der Schweiz) das fremdbearbeiten der Bilder dermassen viel kostet, dass sich das nicht jeder Fotograf leisten könnte und lieber selber hand anlegt. Die Zeiten haben sich geändert und Indien kann auch dem „Billig Dienstleistungs Sektor“ definitive Nischen die der indischen Bevölkerung Perspektiven bietet und uns Europäern einen Luxus, den wir uns sonst vielleicht nicht leisten würden.

    Engelchen und Teufelchen sind noch immer im Zwist auf meinen Schultern… Ich hör dann mal lieber auf zu kommentieren und schick die beiden schlafen 😉

  15. Sofern man nicht bloß das „Deppenzepter“ sondern die eigentlichen „Selfies“ kritisiert, dann aber auch bitte diese Sorte von Partyfotos, wo ein „Fotograf“ mit dicker Nikon durch die Disco rennt und überall dort gegen die 5m hohe schwarze(!) Decke blitzt, wo ihm eine Gruppe von bierflaschenbewehrte Grinseklammeräffchen ihre Jubel-Arme mit diversen Finger-Gesten entgegenstrecken. Die Leute sind wohl so, und sie lieben es so.
    Ich nicht.

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